
Innerhalb der breit gefächerten, interdisziplinären Arbeitsfelder der Forschung zur interkulturellen Kommunikation lassen sich in theoretischer und methodischer Hinsicht vor allem vier Bereiche herauskristallisieren: Interaktionsprozesse, Prozesse des Kulturtransfers, Phänomene der Fremdwahrnehmung und Formen der Interkulturalität.1
Das Kapitel Transkulturelle Kommunikation geht speziell auf die situations- und interaktionsgebundenen Prozesse ein.
Die Theorie der transkulturellen Kommunikation basiert auf dem Synthesemodell und dem Synergiemodell. Sie stellt eine sozialkonstruktivistische Richtung innerhalb der interkulturellen Kommunikation dar, die untersucht, wie sich Kulturen durch Kommunikation entwickeln.
Beim Synthesemodell werden zwei Größen (These/Antithese) zu einer dritten (Synthese) zusammengefügt. Aus zwei zusammengefügten Größen lässt sich wiederum eine neue, dritte zusammenfügen, usw. Dieses normative Modell soll unabhängig vom kulturellen Umfeld einsetzbar sein. Das Synergiemodell beschreibt das „kontinuierliche Erzeugen eines Handlungszusammenhangs, in dem gleichsam die Energiepotenziale der fremdkulturellen Kommunikationspartner zusammenfließen“.2
Ziel des Studiums der transkulturellen Kommunikation ist es, den Einfluss der Kommunikation auf die Entwicklung einer neuen Kultur zu verstehen. Der Theorie liegt die Hypothese zugrunde, dass sich eine neue Kultur aus der Konvergenz kultureller Diversität durch Kommunikation ergibt.3
Das Konvergenzmodell von Rogers und Kincaid verdeutlicht das Entstehen einer neuen Kultur aus der Konvergenz kultureller Diversität mittels Kommunikation. Rogers und Kincaid vertreten die Meinung, dass Kommunikation, bei der die Teilnehmer miteinander Informationen teilen, um gegenseitiges Verständnis zu erreichen, sich besser verstehen lässt, wenn man diese Vorgänge als zusammenhängende Kommunikationskreise auffasst. Da die Kommunikationsmuster zweier Individuen nie identisch sind, schlagen sie das Konvergenzmodell vor. Demnach treten die Kommunikationspartner in eine Austauschbeziehung ein, ihre Interpretationsschemata und das Verständnis von Wirklichkeit nähern sich während des Kommunikationsprozesses einander an. Unterschiedliche Auffassungen lassen sich so für eine bestimmte Zeit reduzieren. Bricht der Prozess aber ab, so divergiert das Verständnis der Teilnehmer wieder. Kommunikationsprozesse haben deshalb weder Anfang noch Ende.4

Quelle: Rogers, Kincaid 1981: 55
Komponenten transkultureller Kommunikation 5
Im Jahre 1994 veröffentlichte William Gudykunst ein exemplarisches Konezpt im Rahmen der interkulturellen Kommunikation, das sich sehr gut auch auf das Konzept der transkulturellen Kommunikation anwenden lässt. Gudykunst unterscheidet in seinem Konzept drei Komponenten:
- Motivation mit anderen effektiv und angemessen zu kommunizieren
- Wissen über die Erfordernisse einer angemessenen Kommunikation
- Kommunikative Fähigkeiten
Was die einzelnen Komponenten im Detail beinhalten ist in der folgenden Tabelle ersichtlich:
| 1. Motivation mit anderen effektiv und angemessen zu kommunizieren | Basale Bedürfnisse motivieren uns, mit anderen zu interagieren. |
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| 2. Wissen über die Erfordernisse einer angemessenen Kommunikation | Dieses Wissen besteht aus zwei Teilen: das Wissen über Fertigkeiten, die man braucht, um mit anderen zu kommunizieren und das Wissen über die Kultur des anderen. Dieses Wissen ist wichtig zur Vermeidung von Missverständnissen. |
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| 3. Kommunikative Fähigkeiten | Diese Fähigkeiten sind erforderlich für eine angemessene Kommunikation. |
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Quelle: eigene Darstellung
Quellen:
1 Nünning, Nünning 2003:312
2 Bolten 1997:487
3 Matoba, Scheible 2007:7
4 Vgl. Rogers, Kincaid 1981:56
5 Vgl. Gudykunst 1994



Transkulturelle Kommunikation