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Transkulturelle Sensibilität

Das Erlernen transkultureller Sensibilität vollzieht sich für viele Menschen während eines längeren Aufenthaltes in einem Gastland. Verbunden sind damit „Anpassungsleistungen an eine fremde Lebens- und Arbeitsumwelt und damit einhergehende Akkulturationsbelastungen“.1 Diese werden oft vom so genannten Kulturschock begleitet, dessen Kernaufgabe, im Rahmen dieses unumgänglichen Adaptionsprozesses, eine langfristige Veränderung der Persönlichkeit ist. Auch bei der gastgebenden Bevölkerung eines Landes, in dem viele Ausländer leben, sind typische Reaktionsmuster beobachtbar. In beiden Situationen weicht eine anfängliche Neugier und Offenheit oft einer ethnozentrischen Haltung, bei der das Fremde mit den eigenen kulturellen Normen beurteilt wird und diese Beurteilung meistens ungünstig ausfällt. Natürlich sind alle Menschen, auch wenn sie in unterschiedlichen Kulturen sozialisiert wurden, von sich überzeugt, dass ihr Verhalten und ihre Sicht der Dinge die Richtige ist. Eine gegensätzliche Reaktion ist die Xenophilie, „d.h. man glaubt, dass in der Kultur des fremden Menschen alles besser ist“.2 In interkulturellen Überschneidungssituationen, bei denen Personen mit unterschiedlichen kulturellen Orientierungssystemen aufeinandertreffen, ist daher für eine wertschätzende, erfolgreiche Kooperation und Zusammenarbeit in Berufs- und Privatleben, eine hohe transkulturelle Sensibilität eine wichtige Voraussetzung.

„Durch interkulturelles Lernen und Handeln sollen interkulturelle Informationsdefizite, Dominanz- und Überlegenheitsintentionen, Bedrohungsängste, Vorurteile und destruktive nationale und kulturelle Stereotypisierungen, Fremdenfeindlichkeiten und Angst gegenüber Fremdkulturellem u.a. abgebaut werden“.3 Transkulturelle Sensibilität setzt eine hohe Reflexionsfähigkeit gegenüber eigenkulturellen Haltungen voraus und sie zeichnet sich durch ein Bewusstsein der Kulturgebundenheit der eigenen Wahrnehmung und damit der Relativität eigener Wertungen aus. Gerade dieses Verständnis und das Reflektieren der eigenen kulturellen Wurzeln, Muster und Prägungen sind unverzichtbare Voraussetzungen. Eine Person verfügt über eine hohe transkulturelle Sensibilität, wenn sie die kulturelle Vielfalt akzeptiert und im Umgang mit Menschen einer anderen Kultur aktiv bestrebt ist, „deren spezifisches Orientierungssystem der Wahrnehmung, des Denkens, Wertens und Handelns zu verstehen, in das eigenkulturelle Orientierungssystem zu integrieren und auf ihr Denken und Handeln im fremdkulturellen Handlungsfeld anzuwenden“.4 Dieser Prozess beinhaltet neben kognitiv-inhaltlichem Lernen auch emotional-affektive Dimensionen und führt letztlich zu transkultureller Kompetenz.
 
Transkulturelle Sensibilität zeichnet sich dadurch aus, weder die eigene Kultur zu verleugnen noch die fremdkulturellen Werte und Einstellungen total zu übernehmen. Vielmehr ist ein bewusster, reflexiver und offener Umgang mit Eigenem und Fremdem das Ziel. Bennett betont, dass festgestellte Unterschiede und der Grad der transkulturellen Sensibilisierung keineswegs unveränderbar sind, sondern einem dynamischen Wandel unterstehen.5 

Auch Bhawuk/Brislin verstehen transkulturelle Sensibilität als wichtigen Schlüssel für effizientes Verhalten in interkulturellen Überschneidungssituationen:6

„Um in einer anderen Kultur erfolgreich zu sein, müssen sich die Leute für fremde Kulturen interessieren; sie müssen sensibel genug sein, kulturelle Unterschiede wahrzunehmen, und dann auch bereit sein, ihr Verhalten entsprechend zu modifizieren, als Zeichen ihres Respekts für die Menschen anderer Kulturen. Ein passender Begriff, der diese Qualitäten auf den Punkt bringt, ist interkulturelle Sensibilität; und wir legen nahe, dass das eine gute Prognose für Effizienz sein kann.“
 

 

Quellen:
1 Thomas 2003:442
2 Hofstede 2006:448
3 Thomas 2003:434
4 Thomas 2003:438
5 Bennett 1993:46

6 Bhawuk/Brislin 1992:416
 

 

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