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Kulturelle Identität

Identität ist etwas sehr vielschichtiges. Jede persönliche Identität setzt sich aus vielen verschiedenen Elementen zusammen. Die Identität ist das, was eine Person unverwechselbar macht, die Kombination von sozialen, kulturellen, religiösen und weiteren Bindungen und Zugehörigkeiten. Identitätsstiftend ist dabei die Vorstellung, sich von anderen Individuen oder Gruppen zu unterscheiden.

Der Begriff der kulturellen Identität kann sehr verschieden ausgelegt und verstanden werden. Kulturelle Identität verbindet Jürgen Habermas mit kollektiver Identität. Mit kollektiver Identität meint Habermas die gemeinsame Identität einer Gruppe oder Gesellschaft, die Kontinuität und Wiedererkennbarkeit sichere. Im Gegensatz zur individuellen Identität beinhalte die kollektive Identität generations- und manchmal epochenübergreifende geschichtliche Existenz einer Gesellschaft und lege außerdem fest, wie sich eine Gesellschaft gegen ihre natürliche und ihre soziale Umgebung abgrenze.1

Nach Dietmar Treichel "kann kulturelle Identität weder verordnet noch als fertiges Ganzes erworben werden. Identität wird innerlich selbst aktiv und reflektiv konstruiert als Reaktion von mehreren vernetzten Faktoren auf den Umgang mit verschiedenen Lebenswelten, Rollenanforderungen und Situationen".2

Alex Sutter unterscheidet zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen von kultureller Identität – einerseits die essentialistische und andererseits die intersubjektive Bedeutung:

Die essentialistische Bedeutung meint, dass sich die Kultur einer Gruppe objektiv anhand bestimmter Merkmale feststellen lässt. In dieser Bedeutung definiert sich die Gruppe durch ihre Kultur, wobei Kultur als eine Kombination aus Sprache, Brauchtum, Mentalität, Religion etc. aufgefasst wird. Hier wird der gruppenbezogene Kulturbegriff verwendet, wonach unter Kultur die geteilten Normen, Werte, Handlungs- und Interpretationsmuster einer Gruppe oder Gemeinschaft verstanden werden. Kulturelle Identität bedeutet in diesem Sinne zuerst einmal das inhaltliche Definieren und Festschreiben der Wesensmerkmale einer Gruppenkultur und für das Gruppenmitglied bedeutet es, dass es auf die vorgegebene Gruppenkultur festgelegt wird.

Die intersubjektive Bedeutung von kultureller Identität geht vom Individuum aus und fragt danach, welches seine kulturellen Kompetenzen und Überzeugungen und welches die kulturell prägenden Handlungsfelder und Gruppenzugehörigkeiten in seiner Lebensgeschichte waren und sind. Erst im Dialog und in der praktischen Interaktion mit dem Individuum gelangt man zu einer Vorstellung seiner kulturellen Werte und Normen, und auch diese sind grundsätzlich unabgeschlossen. Hier wird der handlungsbezogene Kulturbegriff verwendet, wonach unter Kultur die kollektiven Standards, die von Individuen verinnerlicht werden, zu verstehen sind. Aus dieser Sicht kann kulturelle Identität nur in Bezug auf Individuen, beobachtbare Kleingruppen und Institutionen analysiert werden und die Ergebnisse sind immer momentan und vorläufig.3


Quellen:
1 Habermas 1976:25
2 Treichel 2008:46

3 Sutter 2002:10

 

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